prêt-à-penser

31. März 2009

侘寂

Einsortiert unter: Videothèque — pretapenser @ 12:31

Das da oben ist japanisch und liest sich Wabi Sabi. Gehört hatte ich davon schon, aber wenn man mich gefragt hätte, was das bedeutet, hätte ich mich erstmal geziert wie vor einer Magenspiegelung und dann irgendwas Unverständliches gemurmelt von “Ästhetisches Prinzip”, “Japan” und “Schönheit des Vergänglichen”. Der Zahl der neu aufgelegten Bücher zufolge, droht Wabi Sabi der neue heiße ostasiatische Trend nach Feng Shui und Konsorten zu werden.

Das an sich rechtfertigt noch nicht mein Interesse, aber als großer Freund von abseitigeren Dokumentarfilmen mußte ich die BBC4-Produktion “In Search For Wabi Sabi” doch mitnehmen. Und wurde – mal wieder – reich belohnt. Präsentiert wird das ganze vom sympathischen Schriftsteller und Journalisten Marcel Theroux, der mit großem Engagement, Witz und Intellekt versucht, dem Thema Wabi Sabi und der Rolle dieses Prinzips in der japanischen Gesellschaft auf den Grund zu gehen. Sein angelesenes Wissen scheint dabei nicht weiterzuhelfen und so beginnt er auf der Suche nach Antworten – mit stoischer Leidensbereitschaft – eine wahre Odyssee. Denn von seinen Gesprächspartnern scheint jeder eine andere, aber keiner eine definitive Antwort geben zu können. Zu tief scheint das Prinzip Wabi Sabi im Denken der Japaner verwoben zu  sein, um es dem westlichen Außenseiter erklären zu können. Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte mal versuchen, einem Japaner das deutsche Prinzip “Gemütlichkeit” zu erklären. (Nur endet man da in der Eckkneipe und nicht im Zen-Kloster.) Je näher Theroux versucht der Sache zu kommen, desto fremdartiger erscheint sie.

Das Spektrum der skurrilen Begegnungen reicht dabei von der strengen Haiku-Lehrerin, dem Teezeremonienmeister mit Formel1-Tick bis zum polnischen Zen-Mönch. Humoristisches Highlight des Films ist der Versuch, der Alltagsbedeutung der Teezeremonie auf die Spur zu kommen. Dabei verirrt sich Theroux in ein Tokioter “Maiden Cafe”, wo er von zwei kichernden Manga-Prinzessinnen in Empfang genommen wird, die versuchen, seinen Tee mittels in kieksender Babysprache vorgetragenen Zaubersprüchen in einen Hexentrunk zu verwandeln. Seine Verwirrung ist dabei mit Händen zu greifen, denn wie sich herausstellt, ist es das Geschäftsprinzip des Ladens gestresste Erwachsene mit Kinderspielchen zu unterhalten. Die japanische Antwort auf den Konflikt zwischen der Hypermoderne und restriktiver Tradition scheint mal wieder die Flucht in die Infantilität zu sein. Wer in Deutschland daran interessiert sein könnte, mit schrillen Prinzesschen beim Kaffee Käsekästchen zu spielen, möchte man sich besser nicht ausmalen. Das Geschäftsmodell würde ich daher eher nicht empfehlen.

Und was bedeutet jetzt Wabi Sabi? Keine Ahnung, aber viel Spaß mit der Wiki-Definition.

Und ich bilde mir ein, meine bröckelige, verwohnte Altbau-Butze sei auch ein wenig Wabi Sabi. Hauptsache irgendeine Ästhetik….

Das ist der einzige Ausschnitt, den ich gefunden habe. Das ist der dritte Versuch einer Teezeremonie (und deswegen kann er es schon recht gut, wobei der gestrenge Blick des Meisters etwas anderes sagt) und leider nicht so amüsant, aber man bekommt trotzdem einen guten Eindruck.

1 Kommentar »

  1. Die Dokumentation muss ich mir unbedingt anschauen. Und das wird echt Teh-Next-Big-Thing(TM)? Uargh, dann freue ich mich schon auf Wabi Sabi für Manager. Nicht.

    Kommentar von Roman — 31. März 2009 @ 13:16 | Kommentar


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